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Förde Podcast Kiel
Wir besuchen Dr. Yvonne Rößner an ihren schwimmenden Fischbecken in der Kieler Förde. Hier wächst und gedeiht die Kieler Lachsforelle. Von Yvonne erfahren wir alle Details zur Forellenzucht in der Förde und zu Aquakulturen im allgemeinen. Und etwas probieren dürfen wir auch.
Nachdem in unseren letzten beiden Episoden bereits die Rede von ihr war, wollten wir sehen, wo sie aufwächst: die Kieler Lachsforelle. Seit bald vierzig Jahren besteht in der Förde auf Höhe des Kraftwerks eine kleine Farm mit Becken für die Hälterung von Meeresfisch. Die promovierte Meeresbiologin Yvonne Rößner übernahm den Betrieb 2019 von ihrem Vorgänger Tassilo Jäger-Kleinicke und betreibt ihn zusammen mit ihrer Kollegin Sophie Bodenstein. Sie lud uns ein, die Anlage zu besichtigen. Wir, das sind Dieter Bethke als erfahrener Podcast-Produzent und Ideengeber sowie die Journalistin Daniela Mett alias panama, mit ihrem untrüglichen Gespür für Geschichten samt Struktur und Tiefe. 

Am Donnerstag in der zweiten Septemberwoche passte es. Gegen Mittag trafen wir Dr. Yvonne Rößner am Tor ihres Betriebes. Für die Verarbeitung ihrer fangfrischen Forellen an Land unterhält sie eine Halle in unmittelbarer Nähe ihres firmeneigenen Bootsanlegers. Hier werden die Fische vorschriftsmäßig ausgenommen und den Wünschen der Kundschaft entsprechend zubereitet. Doch dazu kamen wir erst am Ende der Tour.

Unsere Aufnahme startet mit einem kurzen Vorgespräch an Land über die Regenbogenforelle, ihre Herkunft und Besonderheiten. Danach stiegen wir zu Yvonne auf das Motorboot, mit dem die Frauen nahezu täglich zu ihren Netzen hinausfahren, um nach dem Rechten zu sehen. Die Überfahrt dauerte wenige Minuten. 

Sobald der Lärm des Motors verstummte, nahmen wir unseren Gesprächsfaden neu auf. Dieter erblickte Stacheldraht und fragt, gegen wen oder was die Anlage gesichert wurde. Panama entdeckt einen Kormoran. Yvonne zeigt auf Netze, die zum Trocknen auf dem Ponton liegen und berichtet von einem aktuellen Forschungsprojekt aus dem Bereich der Nanotechnologie, an dem sie teilnimmt. Ein Belüfter, der ebenfalls auf dem Ponton liegt, löst Gedanken über den fragilen Zustand der Ostsee aus. 

Ökologisch wie ökonomisch erfolgreiche Modelle mariner Aquakultur sind rar bei uns. Wir fragen Yvonne aus über mögliche Gründe und stoßen dabei auf einen Wust an Hindernissen. Als Wissenschaftlerin, Entwicklerin eines erfolgreichen StartUps und Unternehmerin vereint sie verschiedene Perspektiven auf dieses schwierige Thema. 

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Kapitel 1
Bei der Kieler Lachsforelle handelt es sich um eine Regenbogenforelle. Sie gehört zu den andronomen Fischen, die sowohl im Süß- als auch im Salzwasser leben. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Oncorhynchus mykiss. Rößner und Bodenstein kaufen Setzfische bei einem Züchter in Dänemark und füttern sie mit Lachsfutter bis zur Schlachtreife. Das nennt sich „Hälterung“. Damit sie rund ums Jahr frische Forellen anbieten können, werden stetig Setzfische nachgeordert. Eine Forelle kann in der Anlage bis zu 4 Kilo schwer werden. Verkauft wird der Fisch fangfrisch oder geräuchert in Kiel und Schleswig über Marktschwärmer sowie auf den Kieler Wochenmärkten Exerzier- und Blücherplatz (nur Do) und nach Voranmeldung an Selbstabholer. 

Kapitel 2
Die Anlage wurde vor Jahrzehnten nach Plänen des Aquakulturwissenschaftlers Harald Rosenthal errichtet. Ursprünglich bestand sie aus 9 Fischbecken. Aktuell sind es noch drei, nur eine davon ist mit Rückhaltenetzen bestückt. Diese Netze müssen regelmäßig getauscht und zum Trockenen ausgelegt werden. Sie wachsen rasch zu, werden schwer und könnten reißen. Einen Teil ihrer ungenutzten Netzgehege stellen die Farmbetreiberinnen für das Biofouling-Forschungsprojekt an der CAU unter Leitung von Dr. Martina Baum zur Verfügung. 

Kapitel 3
Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin wollte Yvonne Rößner studieren. Sie entschied sich für Biologie und landete bei der Aquakultur. In Frankreich lernte sie die Arbeit von Muschelfarmern kennen. Dabei keimte ihre Vision, die vor langer Zeit aufgegebene Kultur der Muschelzucht in der Kieler Förde erneut zu etablieren. Im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelte sie die Idee bis zur Reife. Nach ihrer Promotion über Integrierte Multitrophische Aquakultur (IMTA) zog es sie in die Praxis. Dr. Yvonne Rößner wurde eine von wenigen Unternehmerinnen in der marinen Aquakultur, die einzige in Deutschland. 

Kapitel 4
Weltweit gehen die Fischbestände zurück. Die Ostsee macht da keine Ausnahme. Auf Veranlassung der EU entstand 2014 ein Nationaler Strategieplan Aquakultur. Darin wird festgestellt, dass in Deutschland „eine marine Aquakultur praktisch nicht existent“ sei. Mit dem Ziel, ökonomisch wie ökologisch nachhaltige Projekte zu fördern, veröffentlichte Schleswig-Holsteins Regierung eine Aquakulturstrategie. Zwei Jahre später folgte ihr ein Genehmigungsleitfaden für Investoren. Fördermittel waren auf zwei Phasen befristet und wurden nicht verlängert. Eine Übersicht zeigt zeitaufwendige Genehmigungsverfahren. Damit verbunden sind kostenpflichtige Gutachten, Gebühren für Prüfung und Zulasssung. Ende 2019 kam das Aus für das Kompetenznetzwerk Aquakultur.

Kapitel 5
Als Ideenschmiede hat Yvonne Rößner die Coastal Research & Management GbR am Tiessenkai in Kiel-Holtenau kennengelernt. Nach asiatischem Vorbild entstand an deren Schreibtischen die Vision einer Meeresfarm zur Zucht von Algen und Muscheln in der Förde. Im Eigenverlag gab die CRM 2011 einen Leitfaden für nachhaltige marine Aquakultur heraus. Er enthält Businesspläne für eine 25t und eine 100t Muschelfarm.


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