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Förde Podcast Kiel
In Episode 003 führt Daniela "Panama" Mett einen Diskurs mit Prof. Bernhard Schwichtenberg, darüber was Kunst ist und wie Kultur- und Kreativwirtschaft einen stetig steigenden Beitrag zum Wohlstand leisten.
Normalerweise trefft Ihr uns ja auf dem Oberdeck einer SFK-Fähre an. Kieler Fördeschiffe sind unser Podcast-Studio. Diese Episode ist anders. Am Tag der Wiederaufnahme des Fährdienstes auf der Linie 1 vom Kieler Hauptbahnhof nach Laboe wollten wir wieder an Bord gehen. Doch dann kam das SARS-CoV-2 Virus im Norden an. Rasant schnell verbreitete es die Atemwegserkrankung COVID-19. Daher beschloss die Bundesregierung am 18. März den landesweiten Lockdown. Anders als geplant wurde die Fährverbindung nicht wieder aufgenommen. Das brachte uns auf die Idee, aus einer brach liegenden Audio-Datei einen „Landgang“ für den Podcast zu produzieren. 

Die Aufzeichnung enthält einen Diskurs mit Bernhard Schwichtenberg. Das Treffen mit ihm fand Ende Februar 2019 statt. Impulsgeber war ein Essay von Jochen Gerz über die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Den hatte Gerz anlässlich seiner Duisburger Ausstellung mit dem Titel „The Walk – Keine Retrospektive“ verfasst. Eine Kopie dieses Textes ging zusammen mit Fragen an Bernhard Schwichtenberg. Der in Kiel lebende Bildende Künstler ist rund ein halbes Jahr älter als Gerz. Beide wurden in Berlin geboren, im Krieg evakuiert und wuchsen im Rheinland auf. Wie Gerz nahm Schwichtenberg eine Professur an. Bis 2004 lehrte er Grafikdesign in Kiel. Um zu ergründen, ob die Übereinstimmung weiter reicht, trafen wir ihn zum Gespräch. 

Es beginnt mit der Frage: „Was ist Kunst?“. Nach Eingrenzung des Begriffes schwenkt das Gespräch zur Kultur- oder Kreativwirtschaft. Deren stetig steigender Beitrag zum Wohlstand zeigt, dass Deutschland Menschen mit Ideen für weiteres Wachstum braucht. Doch unter welchen Voraussetzungen werden Menschen kreativ? Wie wichtig ist eine umfassende ästhetische Bildung in Kindheit und Jugend? Prof. Bernhard Schwichtenberg geht auf all diese Fragen mit einem reichen Schatz aus Erfahrungen und kleinen Lebensgeschichten ein. Diesen unvergleichlichen Mix bezeichnet er selbst augenzwinkernd als „Infotainment“.


Kapitel 1
Kunst in der Kultur. Zu Beginn befassen wir uns mit den Begriffen. Was ist Kunst, was sind die Künste? Wie verhalten sich beide zur Kultur? Am Beispiel des Kultur- und Wissenschaftspreises der Stadt Kiel macht Bernhard Schwichtenberg deutlich, wie unsachliche Differenzierung Schieflagen erzeugt. 

Kapitel 2
Jochen Gerz entwirft in seinem Essay die Vorstellung von einer „Öffentlichen Autorschaft“. Er will Kreativität nicht auf einen exklusiven Kreis von Menschen beschränkt wissen, sondern fordert mehr Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen. Das bringt Bernhard Schwichtenberg auf den Franzosen Jean Monnet, der 1955 mit der Gründung eines Aktionskomitees den Grundstein legte für die heutige EU. Statt die Länder über den gemeinsamen Markt zu vereinen, so Monnets Erkenntnis in der Rückschau, hätte man sie über kulturelle Werte einen sollen. 

Kapitel 3
Die Kultur- bzw. Kreativwirtschaft ist einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der globalen Wirtschaft. Als Creator bezeichnet wird jemand, der Einfälle hat. Dazu zählen nicht nur die Künstler, mahnt Schwichtenberg. Wer Menschen ausreichend Freiraum zum Ausprobieren lasse, erhalte von denen die besten Sachen.

Kapitel 4
Kunst und Kommunikation. Über 90 % der Informationen nehmen Menschen heute audiovisuell auf. Bernhard Schwichtenberg ruft zur Wiederbelebung der anderen Sinnesorgane auf, damit diese nicht in Vergessenheit geraten. Gibt es noch mehr Fähigkeiten, die trainiert werden müssen?

Kapitel 5
Spielen sei das Wichtigste. Bernhard Schwichtenberg hält ein Plädoyer gegen Perfektion. Dazu zieht eine Postkarte mit dem Spruch von Nam June Paik aus seiner Tasche. Da steht drauf: „When too perfect, lieber Gott böse“. 

Kapitel 6
Ästhetische Bildung tue dringend Not. Fragt man Bernhard Schwichtenberg, kann deren Angebot kann gar nicht groß genug sein. In Fragen des Geschmacks müsse jeder mitreden können. Das bringt ihn auf die Thesen der Bauhaus Künstler.

Kapitel 7
Er kenne viele Menschen, die verzweifeln, weil aktuell Vieles falsch laufe. Daher appelliert Bernhard Schwichtenberg an Künstlerinnen und Künstler sich der globalen Verantwortung zu stellen. Sie seien Problemlöser, hätten gelernt, fachübergreifend zu arbeiten. Ein starkes Schlusswort mit Beispielen für Kunst im öffentlichen Raum.

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