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Förde Podcast Kiel

Schallplattenmuseum (Landgang)

Schwarzes Gold in Nortorf

05.09.2022 48 min

Unterwegs in Schleswig-Holsteins Schallplattenstadt. In vierzig Jahren produzierte das Werk in Nortorf hunderte Millionen von Tonträgern. Das Aus kam 1989. Nun kehrt die Schallplatte auf das Gelände der einstigen Teldec-Press Schallplattenfabrik zurück. Wir trafen Dr. Thomas Perkuhn vom Deutschen Schallplattenmuseum in Nortorf.
Der Umzug vom alten Gebäude Schallplattenmuseums quer über den Jungfernstieg zum Kesselhaus des einstigen Schallplattenwerks ist in vollem Gang. Am Wochenende soll die Bühne in der Eingangshalle bei einem Konzert ausprobiert werden, eröffnet uns Lutz Bertram, Vorsitzender des Museumsvereins. Noch sind die haushohen Wände des Industriegebäudes kahl. Aber das will er ändern. Nicht wegen der Akustik in der Halle. Die sei gut, betont er. Über eine freistehende Treppe steigen wir hoch zur breiten Empore. Frisch gegossener Estrich hindert uns am Betreten. Sobald der getrocknet ist, wird dieser Bereich für wechselnde Ausstellungen genutzt.

Mit Lutz Bertrams Vorstandskollegen Dr. Thomas Perkuhn wechseln wir in das Untergeschoss. Dort bauen Vereinsmitglieder in ehrenamtlicher Arbeit aktuell die Ausstellung auf. Staunend stehen wir vor Regalwänden mit abertausend Schallplatten. Das gesamte Archiv vom NDR 1 Welle Nord aus Kiel und dem Rundfunkhaus in Hamburg kam nach Nortorf. Darunter einiges an Schellack sowie Vinyl, was einst hier gepresst wurde. Wir dürfen eine Platte aus ihrem Cover ziehen, um sie auf dem bereit stehenden Plattenspieler im „Disco“ genannten Museumsbereich anzuspielen. 

Gemeinsam haben ehemalige Beschäftigte der Teldec Schallplatten GmbH vor dem Abriss der Werkshallen gerettet, was vom Gelände an Schätzen zu bergen war. Darunter sind Plattenpressen samt Granulat - eine davon ist wieder intakt. Karl-Heinz Schümann erklärt uns ihre Funktionsweise. Er hat als Elektriker bei der Teldec gearbeitet. Ihr letzter Eigentümer, die Warner Brothers vom US-Medienimperium Time Warner, schloss das Werk 1989. Anhand von Originalgeräten wie dieser Presse, aber auch Schneidemaschinen, Matrizen und vielem mehr, sollen Besucherinnen und Besucher im Museum ab Mitte Oktober den gesamten Werdegang einer Schallplatte nachvollziehen können. Sogar eine Testpressung wäre irgendwann einmal denkbar, ergänzt Schümann. Voraussetzung allerdings ist ausreichend Druck im Kesselhaus. 

Inhaltlich vorbereitet und moderiert wird dieser Podcast vom Medienproduzenten Dieter Bethke und der Journalistin Daniela Mett. Die Idee dazu keimte vor Jahren beim Kieler Podcasttag während der Digitalen Woche. Entstanden ist ein ausführliches Magazin zum Hören mit Themen aus Kiel, über die Förde, die Ostsee und gelegentlich weit darüber hinaus. 

Dank Unterstützung aus dem Förderfond Städtepartnerschaften des Kieler Stadtpräsidenten knüpften die beiden Podcaster 2021 ein Netzwerk rund um die Ostsee. Im Wechsel berichten hier in diesem Podcast der Radiojournalist Jens Renner aus dem dänischen Aarhus, der Unternehmer Stefan Suckow aus Stralsund, die TV-Moderatorin Svetlana Kolbaneva aus dem Oblast Kaliningrad und die Kulturwissenschaftlerin Dr. Magdalena Sacha von der Danziger Bucht sowie der Historiker, Dozent und Touristenführer Martin Schröder aus Tallinn in Estland.


Kapitel 1 Einleitung. Am 1. Juli 2022 treffen wir nachmittags Dr. Thomas Perkuhn. Er ist Mitglied im Vorstand des Deutschen Schallplattenmuseums e.V. in Nortorf. Vor der Aufnahme führte er uns durch das neue Museumsgebäude. Für Audioaufnahmen war dort jedoch zu viel Betrieb. Daher wechselten wir in das alte Gebäude des Vereins am Jungfernstieg. Über eine steile Holztreppe gelangten wir ins Obergeschoss. Zwischen Grammophonen, Plakaten, Schellackplatten und Vitrinen beginnen wir zu dritt ein Gespräch über die Schallplattenära in Nortorf und das Comeback der Schallplatte.

Kapitel 2 Kulturerbe. Dr. Thomas Perkuhn berichtet, wie es nach Schließung des Werks zur Sammlung und der Einrichtung eines Schallplattenmuseums kam. Seit der Eröffnung 2002 war die Ausstellung zur Geschichte der Schallplattenherstellung in Nortorf, der allgemeinen technischen Entwicklung der Tonträger und ihrer Abspielgeräte im Gebäude des einstigen Stadtmuseums für Besucher geöffnet. Ein Bürgerentscheid machte im Oktober 2019 den Weg frei für den Umzug in das einzige noch erhaltene authentische Gebäude der Schallplattenfabrik.

Kapitel 3 Teldec. Die Entscheidung des Berliner Plattenkonzerns für den Standort Nortorf resultiert aus einer Zufallsbekanntschaft zweier Herren während ihres Kuraufenthaltes. Der eine hieß Emil Köster. Er führte ein Unternehmen der Lederindustrie mit Sitz in Neumünster.

Kapitel 4 Musikstars. Der Anblick eines gerahmten Zeitungsausschnittes über die Sängerin Alexandra bringt uns zu den Interpreten, deren Platten in Nortorf gepresst wurden.

Kapitel 5 NDR Archiv. Im Keller unter dem Konzertsaal des Kieler Schlosses besaß der Sender NDR 1 Welle Nord ein Schallplattenarchiv. Das sollte für den bevorstehenden Umbau des Konzerthauses geräumt werden. Danach entschloss sich auch das Rundfunkhaus des NDR an der Rothenbaumchaussee in Hamburg, dem Verein sein gesamtes musikalisches Gedächtnis auf Schellack und Vinyl zu überlassen.

Kapitel 6 Spenden. Über ein volles Lager, die Suche nach aktiven Mitgliedern und Revox Tangential Plattenspielern. Dazu ein Tipp wie verwellte Schallplatten glatt gezogen werden können und ungeliebte Scheiben ein zweites Leben erhalten.

Kapitel 7 Schallplatten. Um uns den Unterschied zwischen Schellack und Vinyl zu demonstrieren, zertrümmert Dr. Thomas Perkuhn eine bereits angeschlagene Platte. Es folgt ein Gespräch über Raritäten und deren Beurteilung, über Musikgenres und verschiedene Plattenlabels. Wir erläutern, was hinter dem Slogan „Museum zum Anfassen“ steckt. Die Aufnahme klingt mit dem Knistern einer Schellackplatte auf Grammophon und dem darauf einsetzenden Gesang von Enrico Caruso aus.

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