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Förde Podcast Kiel

Strompreise (Netztour)

Sozialer Kälteeinbruch

21.02.2022 46 min

Auf 1.000 Euro pro Megawattstunde kletterte bei ihm der Strompreis im Dezember. Das berichtet uns Martin Schröder aus Kiels Partnerstadt Tallinn. Er musste kräftig nachzahlen. In Estland weisen Stromversorger den Preis stündlich aus und rechnen monatlich ab. Handlungsspielraum haben Verbraucher nicht. Die Mehrheit heizt mit Strom. In kalten Wintern wie diesem ist Sparen kaum möglich.
Mit seiner Familie wohnt Martin Schröder in Tallinn zur Miete. Das sei die absolute Ausnahme, berichtet er uns. Die Mehrheit der rund 1,3 Millionen Einwohner Estlands besitzt Wohneigentum. Im städtischen Raum dominieren Eigentumswohnungen. Die Entscheidung für einen Stromversorger liegt jedoch nicht in der Hand eines Einzelnen sondern erfolgt auf Basis einer Mehrheitsentscheidung in der Hausversammlung aller Eigentümer. 

Seit letztem Frühjahr gehört Martin unserem Netzwerk von Korrespondenten in Kiels Partnerstädten im Baltikum an. Der Deutsche lebt bereits viele Jahre in Tallinn. Als Historiker bietet er Touristen sein Wissen bei geführten Reisen durch Estland an. In unserer Episode 014 NORDISCHER RAT war er zuletzt zu hören. Martin Schröder berichtete uns darin von der Geburt des Danebrog, der ältesten Staatsflagge der Welt, und vom Verhältnis Estlands zu seinen nordischen Nachbarn.  Am 25. Januar 2022 waren wir mit ihm erneut für eine Stunde via Audiocall verabredet.

Kapitel 1
Begrüßung.

Kapitel 2
Strompreis. Im Dezember ging der Strompreis weltweit durch die Decke. Bei Martin Schröder in Tallin erreichte er in den Tagesspitze 1.000 Euro pro MWh. Im Vorjahresmonat lag dieser noch bei bis zu 65 Euro/MWh. Während unseres Gesprächs erreicht der Tagespreis in Tallinn durchschnittlich 166,38 Euro/MWh. In Folge des starken Anstieges schalteten Kommunen ihre Straßenbeleuchtung in den Städten ab. Auch Weihnachtsschmuck aus Lichterketten, der traditionell den Winter über bis März die Straßen erhellt, wurde bereits abgehängt. 

Kapitel 3
Fossile Brennstoffe. Der Anteil von Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern ist in Estland weitaus geringer als in Deutschland. In Estland abgebauter und verhütteter Ölschiefer dient der Verstromung. Hinzu kommen Gaslieferungen aus Russland. Einen geringen Anteil am Strommix hat die Windkraft. Geothermie und Solarpanele sind erst im Kommen. Als Grund für den Preisanstieg wird die erhöhte Nachfrage genannt. Einzelne Haushalte haben wenig bis keine Entscheidungsfreiheit bei der Wahl des Versorgers, da die Verträge pro Haus abgeschlossen werden. Geheizt wird in Tallinn mit elektrischer Energie. 

Kapitel 4
Mikro-Akws. Martin berichtet von einer Initiative in Estland, die sich für den Bau kleiner Atomkraftwerke einsetzt. Dieter verweist auf Aussagen von Experten in der Sendung Hart aber fair vom 24. Januar 2022. Danach gilt in deutschen Konzernen die Erzeugung von Atomstrom mittlerweile als zu teuer - mehr Daten zu Stromerzeugung und Stromhandel in Deutschland auf der Webseite des Bundesnetzagentur

Kapitel 5
Geothermie. Bei einer Hausbesichtigung sprach Dieter mit dem Besitzer über dessen Erfahrungen aus dem Betrieb einer Wärmepumpe. Mit oberflächennaher Erdwärme lassen sich Privathäuser mit Heizwärme, Kälte und Warmwasser versorgen. 

Kapitel 6
Politik. In Relation zu Deutschland ist das Einkommensniveau in Estland niedrig. Der Mindestlohn liegt aktuell bei 3,86 Euro/Stunde. Im Schnitt verdienen Esten mit einer Vollzeitstelle 1.500 Euro brutto im Monat. Die Sozialabgaben betragen ca. 20 Prozent.  Kritisch ist das Wirtschaften für Bezieherinnen und Bezieher von Mindestrente. Sie beträgt 215 Euro/Monat. Rechtsradikale Kräfte in Estland versuchen, aus der Notlage einkommensschwacher Haushalte politisch Kapital zu schlagen. 

Kapitel 7
Ökostrom. In Deutschland sind unterschiedliche Stromprodukte auf dem Markt. Dieter berichtet von seinem Ökostromtarif. Weil die Erzeugung von Ökostrom in Kleinanlagen anfangs teurer war als konventionelle Herstellung durch Konzerne, zahlt Dieter seit Jahren mehr dafür. Obwohl sich das Verhältnis längst umgekehrt hat, bleibt sein Tarif für grünen Strom teurer als der für die Grundversorgung. Und das bei sinkender EEG-Umlage und stetig steigenden Preisen für CO2-Zertifikate, die bei Erzeugern von Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie etc. erst gar nicht anfallen. Wer erklärt uns das? 



Die Rubrik "Städtepartnerschaft" wird gefördert von



Kiel. Sailing. City.


In 2022 produzierten wir eine Reihe von Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus Kiels Partnerstädten im Ostseeraum. Gefördert wurde der Aufbau unseres Netzwerkes aus dem Budget für Städtepartnerschaften der Landeshauptstadt Kiel. 

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